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Für Kinder und Jugendliche mit Drogensuchtproblemen, Internet- und Computersucht gibt es wenig stationäre Therapieangebote, obwohl Suchterkrankungen bei Jugendlichen zunehmen. Deshalb wurde 1999 im Kinderkrankenhaus auf der Bult die Therapiestation für drogenabhängige Kinder und Jugendliche Teen Spirit Island eingerichtet.
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Teen Spirit Island ist eine Station mit 12 Therapieplätzen der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im Kinderkrankenhaus auf der Bult. Hier werden Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren mit Drogenabhängigkeit von Cannabis, Heroin, Amphetaminen, Tranquilizer, Kokain, Alkohol und anderen Suchtstoffen bzw. deren Kombinationen und mit Internet- und Computersucht, stationär behandelt. Daneben bestehen in der Regel jugendpsychiatrische Erkrankungen wie Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, emotionale Störungen, Eßstörungen oder Psychosen.

Eigenmotivation ist die Basis der Behandlung. Diese schließt den körperlichen Entzug ein und ermöglicht eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bis zu zwölf Monaten. Eine ambulante psychiatrische Nachsorge kann sich bei entsprechender Indikation anschließen. Wir streben eine enge Vernetzung mit den regionalen Hilfsangeboten an.
Wir bieten ambulante Vorgespräche an. Regionale und überregionale Beratungsstellen, niedergelassene Ärzte, Schulen, Jugendämter verweisen auf unsere Sprechstunde. Wir bieten vorstationäre therapeutische Angebote mit dem Ziel einer späteren stationären Therapie an. Hier klären die Therapeuten, die auch später für die Behandlung verantwortlich sind, die Drogenproblematik, Internet- oder Computersucht bzw. die zugrunde liegende kinder- und jugendpsychiatrische Störung. Sie stellen die stationäre Behandlungsindikation und bereiten auf die stationäre Aufnahme vor.

Die psychiatrischen Auffälligkeiten der Patienten sind in der Regel Störungen der Persönlichkeitsentwicklung, emotionale Störungen, dissoziale Entwicklungen, Eßstörungen und paranoid-psychotische Entwicklungen. Akute Psychosen bedürfen zunächst einer allgemeinpsychiatrischen Stabilisierung.
Die Behandlung erfolgt mit möglichst großer Beziehungskonstanz, die sich auch in der Organisation und Raumaufteilung der Station wiederfindet. Die zuständigen Therapeuten und Bezugsbetreuer begleiten den Patienten über den gesamten Behandlungsverlauf. Auf Seiten der Therapeuten lassen tägliche Teamsitzungen einen von allen Mitarbeitern getragenen therapeutischen Prozeß entstehen.
Teen Spirit Island (TSI) hat ein zweiphasiges Behandlungskonzept mit Aufnahmephase und Behandlungsphase.
Der exzessive Gebrauch von Internet- und Computerspielen wie „World of Warcraft“ kann bei Kindern und Jugendlichen zu suchtähnlichem Verhalten führen. Untersuchungen gehen davon aus, dass bis zu 10 % der Nutzer süchtiges Verhalten aufweisen. Wie bei stoffgebundener Drogensucht auch, liegen dem Verhalten meist problematische biographische Entwicklungen und psychische Grunderkrankungen zugrunde und das Medium wird im Sinne eines Selbstregulations- oder Selbstheilungsversuches angewandt. Im Internet kann man viele Online-Bekanntschaften haben, Erfolg beim Computer-Online-Spiel erfahren und sich eine Wunschidentität schaffen, auch wenn man in der Realität kaum Kontakte hat, wenig Erfolge erfährt und mit sich und seiner Körperlichkeit unzufrieden ist. Jugendliche mit einer derartigen Problematik benötigen einen klar strukturierten Tagesablauf, sie lernen in einem gruppentherapeutisch- interaktionellen Setting sich mit Gleichaltrigen auseinanderzusetzen, in diversen sozialtherapeutischen Angeboten erfahren sie, dass das Leben jenseits von Computer und Internet Spaß machen und einen Sinn geben kann. Im Rahmen der Krankenhausschule lernen die Jugendlichen einen gesellschaftlich tolerierten und adäquaten Umgang mit dem Medium Computer und Internet. Ziel ist die Behandlung der zugrunde liegenden Problematik, es sich bewusst machen, wofür die exzessive Mediennutzung steht, das Entwickeln neuer Copingstrategien und das Leben auch jenseits der Mediennutzung als sinnvoll und lebenswert erleben lernen.
Literaturhinweis:
Möller, C. Internet- und Computersucht bei Kindern und Jugendlichen.
In: Backmund, M. Suchtmedizin, 13. Erg.Lfg. 2008 (9): 25-45.
Landsberg, Ecomedverlag.
Möller C. „Internetsucht und Computersucht“ bei Kindern und Jugendlichen. Suchtmed 2008 (10): 78-79.
In der Aufnahmephase werden die Jugendlichen entsprechend den
aktuellen Behandlungsrichtlinien von den konsumierten Drogen 
entzogen, umfassend untersucht und für einen Weg ohne Drogen oder exessiven Mediengebrauch motiviert. Die Behandlung körperlicher Folgeschäden des Drogenkonsums wird eingeleitet. Wenn in diesem Behandlungsabschnitt vom Jugendlichen die Behandlung abgebrochen wird, kann die Wiederaufnahme nach einem ambulanten Vorgespräch und bei entsprechender Behandlungsmotivation des Patienten zeitnah stattfinden. Wenn das Behandlungsbündnis geschlossen ist und ausreichende eigene Verantwortungsübernahme vorhanden ist, wechseln die Jugendlichen in die Behandlungsphase.
Die Grundlage des inhaltlichen Konzeptes bilden die Gruppeninteraktionen und tiefenpsychologisch-fundiertes Verstehen:
Verschiedene Gruppensituationen wie analytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapie, themenzentrierte Interaktionsgruppen (TZI), Projektgruppen, Außenaktivitäten wie Sport, Schwimmen und Klettern, Technikgruppe und Schulunterricht strukturieren den Tagesablauf. Gruppenpsychotherapie findet in der Aufnahmephase dreimal wöchentlich über 45 Minuten statt, in der Behandlungsphase zweimal wöchentlich für jeweils eineinhalb Stunden.
Tiefenpsychologisch-fundierte Einzelpsychotherapie hat zunächst stützenden und beziehungsaufbauenden Charakter und konfrontiert im Verlauf stärker mit den aktualisierten Konflikten. Ungefähr 14-tägig findet Familienberatung und/oder -therapie statt.
Themenzentrierte Interaktionsgruppen greifen die jeweilige Gruppendynamik und bestimmte Themenkomplexe geschlechtsspezifisch auf. In Projektgruppen und in der individuellen Freizeitgestaltung wird auf eine kreative und phantasievolle Gestaltung hingearbeitet und diese aktiv unterstützt. In der alltäglichen Auseinandersetzung werden Lebenspraxis trainiert, Neigungen herauskristallisiert und neue Lebensinhalte gefördert. In enger Einbindung in den Stationsalltag erhalten die Jugendlichen einzeln oder in Kleingruppen Schulunterricht. In leistbaren Anforderungen und mit Erfolgserlebnissen sollen Lern- und Lebensfreude unterstützt werden. Anknüpfungspunkte sind die bereits entwickelten individuellen Fähigkeiten.
Die Jugendlichen werden im Behandlungsverlauf kontinuierlich an einen sicheren Realitätsbezug ohne Drogen und exzessive Mediennutzung herangeführt. Sie setzen sich mit sich selbst und anderen auseinander und lernen allmählich, in Beziehungen Vertrauen zu fassen. Die Eigenverantwortlichkeit nimmt zu. Die Jugendlichen verlassen zunächst in der Gruppe, später auch allein, den Schutz von Teen Sprit Island. Ein Praktikum und ein externer Schulbesuch bereiten die Jugendlichen auf ihr Leben nach der stationären Therapie vor.
Die Entlassung wird langfristig geplant. Die Mehrzahl der Jugendlichen können oder wollen nicht zu den Eltern zurückkehren. Dann wird von uns aus eine geeignete stationäre Jugendhilfemaßnahme angebahnt. In Hannover kooperieren wir mit der Jugendwohngruppe "Step Kids" der STEP, Tel. 05 11/74 01 98-60. Gemeinsame Freizeitaktivitäten mit der Jugendwohngruppe und gegenseitige Besuche bereiten auf eine Entlassung dorthin vor. Auch der Übergang in andere geeignete Jugendhilfeeinrichtungen ist möglich.
Jeden Donnerstag ab 15:00 Uhr findet in der Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie (Raum CE 001)
im Kinderkrankenhaus auf der Bult eine offene ärztliche Sprechstunde statt.
Bitte Versichertenkarte mitbringen
Anfahrtbeschreibung (Hier klicken)

Weitere Informationen geben gern
Sozialarbeiter Teen Spirit Island
Kinderkrankenhaus auf der Bult
Janusz-Korczak-Allee 12
30173 Hannover
Tel. 05 11/8115-5566 oder 5562
Fax 05 11/8115-5569
E-Mail: tsi@hka.de
Oberarzt Dr. med Christoph Möller


